Die Geschichte von Annika
Shownotes
In dieser Podcastfolge hatten wir die Möglichkeit, uns mit der Lebensgeschichte von Annika auseinander zusetzen. Annika ist Betroffene sexualisierter Gewalt. Nicht als Kind, nicht als Säugling, sondern als Jugendliche.
Annika ist eine vitale Frau, die mitten im Leben steht und die uns dennoch teilhaben lässt, an ihrem Leben und an ihrer Biografie. Eine spannende Geschichte, die uns zeigt, was Missbrauch mit Menschen anrichtet.
Danke Annika.
Hinweis: Bitte achten Sie gut auf sich, wenn Sie diese Folge hören. Pausen sind erlaubt. Sie sind nicht allein.
Hilfs- und Fachstellen
Soforthilfe & Akute Beratung
- Hilfetelefon Sexueller Missbrauch – anonym & kostenlos, täglich 7–22 Uhr: 0800 22 55 530👉 www.hilfe-telefon-missbrauch.de
- Telefonseelsorge – 24/7 erreichbar, anonym & kostenlos: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222👉 www.telefonseelsorge.de
Bundesweite Fachstellen
- UBSKM – Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs👉 www.beauftragter-missbrauch.de
- Zartbitter e. V. – Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen 👉 www.zartbitter.de
- Weißer Ring e. V. – Hilfe für Kriminalitätsopfer 👉 www.weisser-ring.de
- N.I.N.A. e. V. – Bundesweite Hilfe- und Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt 👉 www.nina-info.de
- Wildwasser.de – Netzwerk unabhängiger Fachberatungsstellen 👉 www.wildwasser.de
- Frauen-Notrufe bundesweit – kostenlose und unabhängige Beratung für Frauen und Mädchen👉 Übersicht bei Wikipedia
Regionale & spezialisierte Fachstellen (Beispiele)
- UAK Münster e.V. – Unabhängige Aufarbeitungskommission gegen sexualisierte Gewalt im Raum der Kirchen im Bistum Münster. 👉 www.uak-muenster.de
- LARA Berlin – Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt an Frauen, trans, inter* und nicht-binären Personen 👉 www.lara-berlin.de
- Strohhalm e. V. (Berlin) – Prävention und Schutzkonzepte für Kinder, Kitas, Schulen👉 www.strohhalm-ev.de
- AJS NRW – Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt 👉 www.ajs.nrw.de
- Fachberatungsstellen in NRW (Auswahl):
- Aufzählungs-TextDistel e. V. (Essen)
- Indigo (Remscheid, inkl. gerichtsfester Spurensicherung)
- Zornröschen e. V. (Mönchengladbach/Viersen)
- Fachstellen in Krefeld, Herford u. a. 👉 www.opferschutzportal.nrw
- Fachberatungsstelle Bonn – Beratung & Prävention 👉 www.beratung-bonn.de
Kapitelmarken 00:00:00 Intro 00:01:37 Etwas ist mir genommen worden 00:02:43 Veränderungen im Umfeld 00:05:03 Warum eine Beichte keine Option war 00:09:34 Von Schuld zur Verantwortung 00:15:59 Darum habe ich so lange geschwiegen 00:21:04 Muss nicht auch mal alles gut sein? 00:23:06 Rolle der öffentlichen Aufarbeitung 00:24:42 Juristische Aufarbeitung 00:28:15 Personalrechtliche Konsequenzen in der Kirche 00:32:02 Andere Betroffene 00:38:32 Behördengewalt 00:44:46 Warum ist unabhängige Aufarbeitung so wichtig?
Musik: Franzi Kruth Produktion: Alexander Freise Im Auftrag der UAK Münster e.V.
Transkript anzeigen
00:00:00: Bevor es losgeht, ein Trigger hinweist.
00:00:02: In diesem Podcast geht es um sexualisierte Gewalt, um Missbrauch und dessen körperliche und psychische Folgen.
00:00:09: Es werden Situationen geschildert, die emotional sehr belastend sein können.
00:00:14: Hilfsangebote findet ihr in den Show Notes.
00:00:18: In dieser Podcastfolge hatten wir die Möglichkeit, uns mit der Lebensgeschichte von Annika auseinanderzusetzen.
00:00:25: Annika ist betroffene sexualisierter Gewalt.
00:00:28: Nicht als Kind, nicht als Säugling, als junge Erwachsene.
00:00:33: Annika ist eine vitale Frau, die mitten im Leben steht und die uns dennoch teilhaben lässt, an ihrem Leben und an ihrer Biografie.
00:00:41: Eine spannende Geschichte, die uns zeigt, was Missbrauch mit Menschen anrichtet.
00:00:47: Danke, Annika.
00:00:48: Thema Stadt Tabu, was wir aus sexualisierter Gewalt in der Kirche lernen.
00:00:54: Jahrzehntelang wurde weggeschaut, jetzt wird hingehört.
00:00:58: In der ersten Staffel unseres Podcasts erzählen Betroffene von sexualisierter Gewalt in Einrichtungen der Kirche und der Caritas.
00:01:06: Wir sprechen mit Expertinnen, stellen Fragen, die lange niemand hören wollte und geben jenen eine Stimme, die zu lange schweigen mussten.
00:01:16: Es geht um Verantwortung und Ungerechtigkeit, aber auch um Heilung, Lebensmut und darum, wie betroffene ihre Geschichte in ihr Leben integrieren und neue Kraft daraus schöpfen können.
00:01:28: Aufarbeitung ist deshalb heute wichtiger denn
00:01:31: je.
00:01:37: Mit fünfzehn, sechzehn, da sind Freundinnen und Freunde von mir angefangen, auszugehen, erste Beziehungen zu haben, Klicken zu bilden.
00:01:49: Und mein Alltag war damals dann eben durch andere Dinge bestimmt.
00:01:55: Und das ist etwas, was schon eben auch über viele Jahre oder auch Jahrzehnte und auch bis heute noch etwas ist, wo ich denke, da ist mir was genommen worden.
00:02:05: Im Heranwachsen, im Erwachsenwerden.
00:02:08: Und wie gesagt, das fängt bei so Kleinigkeiten an wie, wir gehen gemeinsam aus, man macht so die ersten Schritte ins Erwachsenwerden.
00:02:17: Und endet aber letztlich auch wirklich mit ganz zentralen Fragen.
00:02:21: Wie gehe ich mit dem Thema Liebe um?
00:02:23: Wie gehe ich mit dem Thema Sexualität um?
00:02:26: Weil ich irgendwie nicht das Gefühl hatte, dass das bei mir auf einer natürlichen Art und Weise mitgewachsen ist.
00:02:31: Ja.
00:02:33: Ich weiß aus früheren Erzählungen von dir, dass für dich die Frage, wie dein Umfeld damit umgegangen wird.
00:02:41: Du hast es gerade schon mal kurz angedeutet.
00:02:44: Magst du noch mal erzählen, was ... nicht nur im Rahmen der Entwicklung mit gleichaltrigen Themen war, aber auch, was sich in deinem Umfeld verschoben hat aufgrund dieser Missbrauchssituation.
00:03:00: Ja, das war dann tatsächlich irgendwann so, dass ich da gemerkt habe, wenn ich mit damaligen Freundinnen und Freunden ... drüber gesprochen habe, also gesagt habe, ich hab jemanden kennengelernt, wir verbringen viel Zeit miteinander und ich tue das auch gerne, das war meine damalige Annahme eben auch.
00:03:21: Dann hat das im Gleichaltrigen Freundeskreis heute, denke ich, natürlich damals dachte ich, oh nein, zu Ablehnung geführt.
00:03:30: Nee, das kannst du doch nicht machen und warum triffst du dich jetzt mit ihm anstatt mit uns?
00:03:36: Und das hat mich dazu gebracht, dann Kontakte auch einzuschränken.
00:03:42: Und auch teilweise Kontakte auch zu beenden, weil ich eben für mich dieses Miteinander mit diesem Menschen halt wollte.
00:03:52: Und mir dann aus meiner Sicht damals Freunde oder auch andere Menschen im Weg standen und ich dann die Kontakte eben auch abgebrochen habe.
00:04:00: Und ... Das hat dann zur Folge, weil ich mich natürlich auch in einem Setting bewege, in einem Ort, in einer Schule und eben in sozialen Kreisen.
00:04:11: Das ist natürlich nicht unentdeckt blieb und ich immer wieder auch darauf angesprochen wurde.
00:04:15: Und das war dann einfach die Phase, wo ich mir selber klargemacht habe, ich muss Lügen erfinden.
00:04:23: Ich muss halt darüber, ich muss Freunde anlügen oder ich tue das auch ganz bewusst, die anzulügen.
00:04:30: Und zu sagen, heute Abend gehe ich nicht mit ins Kino, weil ich hab schon was vor.
00:04:35: Ich bin, ich weiß nicht, verabredet mit X, Y. Und tatsächlich war dem aber nicht so.
00:04:41: Also ich konnte ja in meiner Wahrnehmung nicht die Wahrheit sagen.
00:04:45: Weil, wie gesagt, an erstens sicherlich ich das Feedback aus meinem Bekanntenkreis bekommen hätte, dass das geht so nicht.
00:04:50: Und natürlich auch das Bewusstsein hatte, dass das nicht rechtens ist, was ... wie ihr dort tun oder was mir auch passiert.
00:04:58: Das lässt ja unweigerlich
00:05:01: aus
00:05:01: meiner Sicht die Frage zu, wie bist du als, ich sag mal, katholisches Mädchen mit dieser Schräglage umgegangen?
00:05:10: Du lügst, du hättest es eigentlich beichten müssen, du weißt, es ist unrecht, du weißt, es war ein Mensch, der sich dem Zellibat so zu leben, sich dem bereit erklärt hat.
00:05:23: Was hat das für dich bedeutet?
00:05:25: Das ist super schwierig, weil natürlich dieses Thema der Schuld ein, wie ich finde, jetzt in dieser Region, wenn wir jetzt von Münster oder von Münsterland eben auch sprechen, doch ziemlich stark verankert auch in gesellschaftlichen Strukturen und auch in einem ganz normalen Alltags-Wording ist.
00:05:44: Bei jedem Kinderspiel, ne?
00:05:45: Nee, das ist aber deine Schuld gewesen, ich war das nicht.
00:05:49: Und so ist das natürlich auch im Wording immer Teil des Alltags gewesen.
00:05:53: wie ich halt jetzt einfach auch weiß, in Kirchenliedern, in Texten, in Gebeten, ist ja ganz häufig auch die Rede von dieser Schuld.
00:06:03: Für mich war das immer so, oder auch bis heute noch, ist es immer so diese graue Wolke, die immer irgendwie, die man nicht richtig definieren kann, aber die immer mit übereim schwebt.
00:06:14: So hatte ich immer diese Vorstellung von Schuld.
00:06:17: Und dass man natürlich auch nichts machen darf in einer katholischen Kirche, was böse ist.
00:06:22: oder wofür man dann vielleicht weichten müsste.
00:06:25: Und natürlich, genau in einer durchaus auch den katholischen Glauben, lebenden Familie aufzuwachsen und eine entsprechende Prägung von zu Hause mitzubekommen, steht dann im Weg.
00:06:37: Weil das eigene Empfinden natürlich auch ist, er darf das nicht.
00:06:42: Also dieser Fahrer, in diesem Fall darf es nicht, weil er auch andere Dinge ... versprochen hat, auch einer Kirchengemeine versprochen hat, dem Bistum versprochen hat.
00:06:53: Und er darf das nicht tun und er tut es trotzdem.
00:06:57: Und wir verstehen uns doch auch richtig gut.
00:07:00: Und ist das denn jetzt wirklich unrecht?
00:07:05: Ist dann schwierig, weil ich natürlich auch von meinem Umfeld ja auch die Rückmeldung bekommen habe.
00:07:11: Ja, das ist unrecht.
00:07:13: Das dürft ihr nicht.
00:07:14: Das darf er nicht, das darf du nicht.
00:07:18: Und das ist dann schon so ein innerer Kampf.
00:07:21: Ich wär nie auf die Idee gekommen, jetzt zu sagen, das beichte ich jetzt.
00:07:26: Das wär zwischen ... das ist spannend.
00:07:28: Aber das merk ich grade sehr deutlich.
00:07:30: Nee, das wär nie was gewesen, weil ich gesagt hätte, ich beichte das jetzt.
00:07:34: Was aber auch mit Sicherheit daran nicht, dass ich mich gefragt hätte, an wen soll ich mich denn wenden?
00:07:40: Und wenn ich das ja einem anderen Fahrer beichte, dann müsste der doch bestimmt aktiv werden.
00:07:45: konnte ich für mich nicht zulassen.
00:07:48: Deswegen, nee, soweit, das war nicht so der Punkt, sondern es war tatsächlich eher für mich, ich sag mal, eine weltliche Frage auch, wie find ich das, dass ich Menschen jetzt anlüge, meine Themen.
00:08:02: Und das ist auch etwas, was mir bis heute sehr nachhängt und auch was mich sehr nachdenklich macht.
00:08:09: Und wo ich tatsächlich auch inzwischen ... Darüber, dass ich angefangen hab, über meine Geschichte zu erzählen, auch zwei, drei Menschen auch getroffen habe und gesagt hab, ich möchte mich entschuldigen.
00:08:22: Ich möchte mich entschuldigen
00:08:23: für
00:08:24: meine Lügen halt.
00:08:26: Das ist schwierig.
00:08:29: Ich glaub, dieses Schuldthema insgesamt ist tatsächlich etwas, was mich persönlich eben über kirchliche Texte stark geprägt hat.
00:08:40: Und Jahre später hat mich mal eine Freundin gebeten, ich möge das Wort Schuld durch Verantwortung ersetzen und mich gefragt, was das mit mir macht.
00:08:52: Und ich hab Jahre gebraucht, um zu verstehen und zuzulassen, dass das einen Unterschied macht.
00:08:59: Dass das wirklich einen Unterschied macht.
00:09:03: Seitdem ich das für mich klar hab, hat sich einfach auch für mich im Kopf was umgelegt.
00:09:09: Sonst Schalter hat sich umgelegt.
00:09:11: Ich nutze auch jetzt im Alltag.
00:09:13: Da klar sei ich auch mal so, das ist nicht meine Schuld gewesen, dass jetzt die Ablöserflasche umgekippt ist.
00:09:18: Aber ich leg einen viel stärkeren Fokus und auch einen viel positiveren Fokus auf was anderes.
00:09:23: Und diese ... Dunkle Wolke namens Schuld, die mag zwar da sein, aber das ist nichts, was mein Leben oder mein Alltag jetzt so sehr prägt, wie das sicherlich in Kindheitstagen der Fall war.
00:09:35: Das setzt ja eine hohe Reflexionsfähigkeit voraus, die du da beschreibst.
00:09:39: Also die Differenzierung zwischen Schuld und Verantwortung zu spüren, ist ein Thema, das andere ist ja auch das überhaupt in Sprache bringen zu können.
00:09:50: Könntest du sagen, was für dich der Unterschied, was den Unterschied ausmacht?
00:09:55: Wo würdest du sagen, ja, da war nicht nur im Hinblick auf deine Vergangenheit, da hab ich mich schuldig gemacht, da bin ich verantwortlich.
00:10:06: Vielleicht dann eher so ein bisschen so wie ... so aus der Historie, wie ich mich gefühlt habe.
00:10:12: Ich glaub, dann wird's vielleicht klarer.
00:10:15: Für mich war damals ... Ganz oft das Gefühl da, es ist meine Schuld.
00:10:22: Ich habe Signale ausgestrahlt, die bei jemand anders dann so angekommen ist, dass ich anscheinend offen und empfänglich bin für Berührung, für Beziehung, für ein Miteinander.
00:10:39: Und konnte nie zulassen, dass das Gegenüber ... tatsächlich die Schuld, diese damals, diese empfundene Schuld, ganz alleine trägt.
00:10:49: Aber ich hab sie, und ich wollte sie auch übernehmen.
00:10:52: Ich hab gesagt, nein, das ist mein Fehler gewesen, meine Schuld.
00:10:56: Und das war ganz, ganz viele Jahre sehr ausgeprägt.
00:11:00: Also auch dieses, dieser Glaube daran.
00:11:04: Ich glaube daran, dass es meine Schuld ist.
00:11:07: Und auch meine Schuld war, und er konnte ja gar nichts dafür.
00:11:09: So, am Ende des Tages.
00:11:13: Und ... Und heute denke ich, mein Gott, wie kann man denn da so, wie konnte ich das denn so empfinden?
00:11:21: Warum war das so?
00:11:23: Und ich glaube, das hat wirklich mit diesem Kontext zu tun.
00:11:25: Einmal Teil von der Sozialisation, also von meiner Erziehung her.
00:11:30: Ist das völlig klar, in einem Dorf in Münsterland an allererster Priorität oder hierreichischer Stellung kommt der Pfarrer, dann kommt der Oberbürgermeister oder der Bürgermeister und dann kommen die Lehrer.
00:11:40: Alle männlich, alle auch mit Macht ausgestattet und mit entsprechender Prägung auch diesen Menschen mit Demut zu begegnen.
00:11:52: Deswegen dachte ich, das kann ja nicht sein, dass ein Fahrer jetzt Schuld auf sich geladen hat.
00:11:56: Prise
00:11:57: war ausgeschlossen.
00:11:58: Genau, es war ausgeschlossen halt.
00:12:00: Und deswegen war ja klar, na ja gut, aber dann irgendwie ist die Situation ja so, dass sie nicht rechtens ist, nicht gut ist, sondern von vielen eben auch als falsch auch betitelt wurde.
00:12:13: Und dann war ja klar, dann muss ja die Schuld bei mir liegen.
00:12:15: Und ich hab sie auch angenommen.
00:12:18: Das war eben so, weil ich eben auch so geprägt und sozialisiert war.
00:12:21: von zu Hause aus, von der Stimmungslage her, war dann klar, es ist meine Schuld.
00:12:27: Und in dem Moment, wo ich dann natürlich angefangen habe, auch selber, ja, dann zu lügen, also auch Menschen in meinem Umfeld halt auch anzulügen, spätestens da war für mich klar, ja, genau, natürlich lade ich jetzt Schuld auf mich.
00:12:40: Weil das macht man ja nicht.
00:12:41: Also, ganz klassisch, du sollst nicht lügen, das war ja auch ein großes Thema.
00:12:48: Natürlich ist es meine Schuld dann jetzt auch.
00:12:50: Und deswegen konnte ich auch viele Jahrzehnte auch gar nicht betiteln, dass das Unrecht war, was mir widerfahren ist.
00:13:03: Sondern dass ich da jetzt auch heute so drüber sprechen kann, hat ... Ich glaube, insbesondere damit zu tun, dass ich mir immer eine Hilfe gesucht habe.
00:13:11: Weil ich auch gemerkt habe, es hat doch Einfluss auf meinen Alltag, es hat Einfluss auf meinen Job, es hat Einfluss auf mein menschliches Miteinander, meinen Bewegen und Agieren in Gruppen.
00:13:21: Und dann ich denke so, ich hab jetzt eine Möglichkeit, wieder mache ich so weiter und gehe durch mein Leben und sag ja, das war jetzt meine Schuld und ich trag das mit mir rum und niemand darf das wissen.
00:13:30: Oder aber ich fang an, darüber zu reden.
00:13:32: Und dieses aber drüber reden, das musste ich lernen, und zwar wie ein kleines Kind laufen lernt.
00:13:38: Hab ich wirklich gelernt, mit therapeutischer Unterstützung, dafür Worte zu finden.
00:13:44: Mir hat das sehr viel gebracht und hat dann aber, glaub ich, auch im Verlauf der Jahre dazu geführt, zu sagen, ja, es gibt einen Unterschied von Schuld, also einer sehr negativ konnotierten Wort, hin zur Verantwortung.
00:13:59: dass es da eine positive Öffnung auch gibt, dass es da auch manchmal auch der Wunsch ist, ich möchte auch Verantwortung übernehmen.
00:14:05: Es wäre eher positiv konnotiert, zumindest in meiner Wahrnehmung.
00:14:09: Und heute auch differenzieren zu können und sagen zu können, ja, ich hab das damals mitgemacht.
00:14:21: Und den Blick, den ich auf die Dinge hatte und teilweise heute auch noch habe, dafür bin ich auch bereit, die Verantwortung zu übernehmen.
00:14:29: Schuldig gemacht hat sich wer anders.
00:14:31: Okay.
00:14:32: Ja.
00:14:33: Weil ich hatte, also ich sag mal, in meinem Verständnis von Schuld und Verantwortung gibt es zumindest auch noch zwei Unterscheidungen.
00:14:42: Schuld ist immer eine sehr moralische Kategorie.
00:14:45: Mhm.
00:14:46: Und die gehört sozusagen einem, schuldig macht sich ein Mensch.
00:14:51: Bei der Verantwortung, so gucke ich eher drauf, lässt es sich teilen.
00:14:56: Die Verantwortung dafür, dass etwas geschieht oder nicht geschieht, ist teilbar, in der Regel nicht vereinzelbar, sondern Verantwortung ist eher im guten wie im schlechten, teilbar und diffundiert.
00:15:11: Bei Schuld würde ich immer, guck ich immer, sehr gratlinig und hab immer einen Menschen im Kopf.
00:15:17: So wie du beschreibst, du hast dich schuldig gemacht.
00:15:20: Der Täter hat sich auch schuldig gemacht.
00:15:23: Aber es ist ein Gefühl, dass man immer alleine mit sich sozusagen trägt.
00:15:28: Ja.
00:15:28: Bei der Verantwortung hätte ich eher gedacht, ja, ich weiß nicht, wieviel Verantwortung dafür ein fünfzehnjähriges junges Mädchen tragen kann.
00:15:39: Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war der Täter deutlich älter als du.
00:15:46: Auf jeden Fall über achtzehn und damit erwachsen und damit verantwortlich für das, was er tut und auch für das, was er gelassen hat.
00:15:54: Und eine weitere Frage, die sich für mich daran anschließt ist, hat diese Frage der Schuld auch dazu geführt, dass du so lange geschwiegen hast?
00:16:06: Ja.
00:16:09: Das ist jetzt ein klares und auch schnelles Jahr.
00:16:14: Weil es halt auch, das ist so meine Erfahrung, super schwierig ist.
00:16:21: Aus dieser eigenen Sozialisation, die man ja auch bis zu einem gewissen Alter, also ich meine natürlich fängt man irgendwann an.
00:16:27: mit siebzehn, achtzehn, aber manche auch schon früher halt ein bisschen zu rebellieren und auszubrechen aus diesen Strukturen, die man ja bis dato als selbstverständlich und auch als normal hingenommen hat, weil ja alle in diesem Dorf, alle in der Nachbarschaft, alle in der Schule die gleiche Sozialisation erfahren haben.
00:16:51: Und es ist aber wahnsinnig schwierig, oder für mich war es wahnsinnig schwierig, tatsächlich aus dieser Sozialisation doch auszubrechen auch.
00:17:04: Ich war da, glaub ich, jetzt nicht besonders rebellisch, weil ich natürlich auch ... Ich sag's mal, bei meinen Eltern natürlich auch unter dem Radar fliegen musste, um nicht noch mehr aufzufallen, als das, was im Dorf sowieso geredet wurde über mich, über uns.
00:17:20: Und deswegen war ich da, glaub ich, relativ angepasst.
00:17:23: Und war, glaub ich, jetzt nicht die klassisch-puppateren Allüren an den Tag gelegt, ständiger Streit, ständige Stimmungsschwankung, sondern hab versucht zu Hause, so weit es geht, unter dem Radar zu fliegen, in der Schule gute Leistungen zu erbringen und unauffällig zu bleiben.
00:17:39: Also quasi unsichtbar dann auch eine Weile.
00:17:42: Also so eine Art Überangepasst halt.
00:17:44: Genau, genau.
00:17:45: Und deswegen hab ich so diese Phase eben dann auch ein Stück weit verpasst.
00:17:51: wo dann vielleicht andere Menschen genau diese Abgrenzung gesucht haben.
00:17:55: Und hab dann für mich das wirklich über die Jahrzehnte gemerkt und auch über die Therapie gemerkt.
00:18:00: Das ist aber wichtig.
00:18:01: Es ist wichtig, sich auch noch mal zu fragen, na ja, gut, dass das Mama und Papa ihr Leben lang so gesagt haben, ist das wirklich richtig?
00:18:11: Und selbst wenn ich zu der Erkenntnis komme, dass es richtig ist, will ich das denn auch?
00:18:15: Ja.
00:18:17: Und ... dann merkt man aber, wenn man das als erwachsener Mensch spürt und auch kognitiv klar hat, dann passiert ja was ganz Schlimmes, nämlich dann bricht das ganze Leben zusammen.
00:18:31: Das ist in dem Moment dann halt so.
00:18:34: Und da kann ich halt sagen, war ich halt sehr, sehr froh, also natürlich kann ich auch sagen, durch die Therapie ist auch etwas zu Bruch gegangen, aber durch die Therapie hatte ich dann auch die Chance, etwas Neues aufzubauen.
00:18:46: Und ich glaube, das ist so ein Schritt, der bei mir wahrscheinlich eher nachgelagert kam.
00:18:52: Aber dann auch über das Thema Schuld natürlich zu sprechen und irgendwie auch zu sagen, möchte ich denn, dass das jetzt mein neues Leben mit prägt oder nicht?
00:19:01: Und wenn ja, okay, dann lass ich es zu.
00:19:03: Und wenn nein, dann ersetze ich es möglicherweise durch Verantwortung, die genau ist auch noch mal ein guter Punkt, den man teilen kann, über die ich auch reden kann.
00:19:12: Also, für dich auch Worte finden kann, wo ich auch mal sagen kann, find ich jetzt doof, dass du das nicht mit mir gemeinsam machst.
00:19:19: Und ich hab aber auch genannt, ich glaub, das ist das, wo ich eben beschrieben hab, dass ich da wirklich so dieses Laufen lernen musste.
00:19:26: Auch dann eben das einfach aufzubauen.
00:19:28: Und auch dieses Thema, der Schuld so hinter mir zu lassen.
00:19:32: Und wenn ich heute auf mein Leben schaue und heute auf den Prozess schaue ... der angestoßen ist, auch mit möglichen rechtlichen Konsequenzen für den Pfarrer.
00:19:45: Und all dem, was da eben auch der bürokratische Akt rund drum zu ist, bis man auch zu einem Verfahren halt kommt, dann holt mich das auch heute noch ein.
00:19:55: Also, ich weiß, es ist nicht weg.
00:19:56: Ich kann mir wünschen, deswegen hab ich da gar nicht mitgenommen in mein neues Leben, dieses Thema Schuld.
00:20:01: Und trotzdem klar, wenn ich dann ... möglicherweise ... eines Tages auch die Akte lesen werde und lesen werde, was da drinsteht, dann wird das ganz doll so sein, dass ich die Nacht vorher denke, ja, darf ich das überhaupt?
00:20:16: Also da, also echt jetzt, also darf ich jetzt wirklich da lesen, was da drinsteht?
00:20:20: Und ist das jetzt wirklich so schlimm, wie wir alle halt meinen?
00:20:25: Also das, was er getan hat.
00:20:28: Und mache ich mich da jetzt nicht nochmal wieder schuldig, ne?
00:20:30: Und wie viel ... Ja, was ist Wahrheit dann auch?
00:20:36: Und was ist Gerechtigkeit?
00:20:38: Und ja, da spielt dieses Thema der Schuld und auch dieses Damoklesschwert, das ist dann da, es ist da.
00:20:46: Das werde ich auch, das glaube ich auch, da habe ich einen Umgang mitgefunden, weil es wird mein Leben lang so sein.
00:20:51: Und deswegen muss man ganz klar sagen, diese Prägung ist halt einfach sehr stark.
00:20:57: Gibt's einen Moment, wo du sagen würdest, da hab ich das verstanden, dass mich das mein Leben lang nicht mehr verlässt?
00:21:03: Weil ich könnte mir vorstellen, dass Menschen, die damit nicht so eine große Berührung haben, auch irgendwann denken, ja gut, aber wenn man Psychotherapie gemacht hat, dann muss es doch irgendwann auch mal gut sein.
00:21:14: Also diese Appelle wirst du kennen, man muss mal einen Deckel drauf machen, jetzt muss mal gut sein.
00:21:21: Was denkst du?
00:21:22: Was geht dir, wenn du so ein Appell hörst?
00:21:25: Was geht dir durch den Kopf?
00:21:27: Weil ich finde, du sehr eindrücklich beschreibst, dass das immer ein Teil deines Lebens sein wird.
00:21:34: Ich kann die Forderung verstehen.
00:21:36: Weil ich glaube, die Forderung von Menschen, die das artikulieren, das hat, ehrlich gesagt, ganz viel mit Liebe zu tun und auch ganz viel mit Sorge.
00:21:44: die artikulieren das, glaub ich, weil sie mich gerne erleichtern möchten.
00:21:48: Sie möchten mir das gerne abnehmen und sagen, Mensch, hör doch auf.
00:21:51: Und macht dir doch nicht solche Vorwürfe.
00:21:53: Deswegen glaub ich, dass das erst mal wirklich sehr, sehr ... wirklich auch ein gut gemeinter Ratschlack ist.
00:22:00: Und für mich ... ganz persönlich war es in dem Moment dann auch wirklich gut, und es war da auch ein Deckel drauf, als ich das für mich aber auch so entschieden habe.
00:22:08: Eine ganz bewusste Entscheidung getroffen habe, Leute ... Wenn ihr den Duden aufschlagt und ihr guckt unter S, wie schuld, dann steht da auch was drin.
00:22:17: Deswegen ist das einfach auch Teil des Alltags.
00:22:21: Und ich kann verstehen, dass das eine veränderte Bedeutung bekommen darf für mein jetziges Leben.
00:22:27: Und ich kann auch verstehen, wenn mir Leute sagen, mein Gott, also, jetzt ist aber auch nicht schon wieder.
00:22:33: Oder auch, ich gebeten werde, ersetzt das Wort schuldig durch Verantwortung.
00:22:36: Das kann ich alles verstehen, aber auch mein Umfeld hat verstanden und auch die Gesellschaft versteht.
00:22:42: Das ist natürlich immer auch Teil des Alltags bleibt, des Worthings bleibt.
00:22:48: Aber es hat eine andere Bedeutung für mich bekommen.
00:22:51: Und das ist der wichtige Punkt.
00:22:52: Und in dem Moment, wo ich diese Entscheidung treffe und auch getroffen habe, bekommt es ja für mich ganz persönlich auch eine ganz andere Bedeutung.
00:22:59: Und ich setze es auch anders ein.
00:23:01: Ich glaub, das war so der Moment, es anzunehmen.
00:23:07: Ein Gedanke, der sich für mich daran anschließt, ist die Frage, hat der Teil der Aufarbeitung, beispielsweise jetzt in Bistum Münster durch die große Studie, dass das Thema eine Öffentlichkeit bekommen hat seit Jahrzehnten, hat das für dich Impulse gemacht, hat es für dich dein Leben leichter gemacht, hat die allein die Quantität der Täter, die es gegeben haben, die aufgedeckt worden sind, was ja nur ein Teil von Aufarbeitung sein kann.
00:23:42: Ist dieser Prozess für dich von Bedeutung?
00:23:45: Nein.
00:23:45: Nein.
00:23:46: Okay.
00:23:47: Nein.
00:23:50: Ich hab das kaum verfolgt, also natürlich ging das durch den Medien.
00:23:53: Und ich hab das auch gehört, also ich hab es wahrgenommen.
00:23:58: Aber ich fühlte mich davon auch gar nicht betroffen.
00:24:02: Okay.
00:24:03: Die einzige Frage, die ich mir gestellt hab, oops.
00:24:06: könnte es sein, dass dein Name da irgendwo drinsteht.
00:24:10: Und könnte das sein, dass irgendwann das Telefon klingelt und jemand von Bistum dran ist und dann sagt, sind Sie die Person X?
00:24:19: Weil wir haben eine Akte über Sie.
00:24:22: Da hab ich tatsächlich, das war der einzige Punkt.
00:24:25: Und ich habe tatsächlich auch lange damit gerechnet, dass ein solcher Anruf irgendwann kommt.
00:24:32: Er hätte auch von der Uni oder wem auch immer kommen können.
00:24:36: Aber der Anruf kam nicht.
00:24:38: Und dann war das für mich auch irgendwann wieder ein Haken dran.
00:24:41: Ja, so.
00:24:42: Ja.
00:24:43: Und gibt's denn, weil ich ein bisschen den Bogen zu der Frage schlagen möchte, wo beginnt für dich Gerechtigkeit und wo hört sie auf?
00:24:53: Es könnte ja sein, dass in deiner Definition die Frage nach juristischer Aufarbeitung, dienteil von Aufarbeitung ist, für dich das ... Thema Schuld minimiert und durch ... Da wird ... mir, aber auch dem Täter Gerechtigkeit widerfahren, eine vielleicht zumindest emotionale Entlastung hervorrufen können.
00:25:22: Ja, ich glaub, das ist sehr individuell.
00:25:25: Also, ich bin jemand, ich mag sehr gerne Klarheit.
00:25:32: und auch Struktur und eine wie auch immer geartete Ordnung.
00:25:37: Und ja, für mich hätte das tatsächlich auch eine jetzt in Gang gesetzte juristische, aber eben auch arbeitsrechtliche Aufbereitung des Sachverhalts.
00:25:49: Da habe ich für mich klar, dass da irgendwann am Ende steht da ein Ergebnis.
00:25:53: Und dieses Ergebnis könnte ja auch lauten Kündigung.
00:25:57: Entziehung auch von vielleicht erworbenen Ansprüchen, hinsichtlich Rente oder Pension.
00:26:04: Das könnte auch in meinem Fall jetzt nicht mehr, aber auch das wäre ja auch eine Möglichkeit gewesen, auch tatsächlich juristische Schritte, also eben auch ein strafrechtliches Verfahren, wäre ja möglich gewesen.
00:26:17: Und das sind Dinge, die in meiner Welt ein Beitrag zur Gerechtigkeit sind.
00:26:24: Und auf die ich auch setze.
00:26:26: Dadurch, dass ich jetzt in meinem Fall weiß, dass die Staatsanwaltschaft jetzt auch die Ermittlungen eingestellt hat, weiß ich aber auch, dass der kirchenrechtliche Prozess im Gang gesetzt wird.
00:26:36: Und das ist etwas, was ich auch für unumstößlich halte.
00:26:40: Und was ich auch selbstverständlich finde, dass das evtl.
00:26:45: Personalrechtliche Konsequenzen haben muss.
00:26:49: Und ja, das ist in meiner Welt für mich als Individuum, würde mir das so was wie eine Gerechtigkeit, Genugtuung auch geben.
00:27:02: Weil wenn ich mir jetzt dieses Thema angucke, ja, was ist Gerechtigkeit und was ist Genugtuung, dann sind es ja auch so für mich manchmal etwas philosophische Fragen.
00:27:14: Und wenn ich mir das nochmal anschaue und sage Gerechtigkeit würde ja bedeuten mit einem gleichen Maß, mit einem fairen Ausgleich, mit einem fairen sozialen Ausgleich.
00:27:26: agieren zu wollen, es ist ja unrealistisch, dass ich ihm wünsche, was er mir angetan hat.
00:27:32: Das wird ja nicht passieren.
00:27:33: Und diesen Wunsch habe ich jetzt auch gar nicht.
00:27:36: Aber das würde es ja dann irgendwie wieder vermeintlich ausgleichen.
00:27:39: Aber das wird nicht passieren und ist auch gut so.
00:27:41: Und dann, denke ich, müssen aber andere Strukturen greifen, um etwas gerecht werden zu lassen.
00:27:48: Und das kann ein monetärer Ausgleich sein.
00:27:52: Wobei sich da, und das muss man ganz ehrlich sagen, auch die Frage, auch die emotionale Frage anschließt, wie viel Geld ist denn am Ende des Tages gerecht?
00:28:02: Und wann fühlt es sich an, wie Gerechtigkeit oder wie ein Ausgleich?
00:28:06: Nichtsdestotrotz, finde ich, ist es ein erster Ansatz, auch tatsächlich monetär eine Anneerkennung eben auch auszusprechen.
00:28:15: Und die nächsten Schritte, wie gesagt, sind für mich, also finde ich ganz unausweichlich, dass das eben auch personalrechtliche Konsequenzen haben muss.
00:28:22: Hast du eine Idee, wie die aussehen sollten?
00:28:25: Also wie die könnten, wie das kirchenrechtlich dann aussieht, steht ja auf dem anderen Blatt Papier, aber gibt's so was in deinem Bild wie persönliche Haftung, wie Kündigung, wie Laesierung?
00:28:42: Was wäre dein Bild?
00:28:47: Ich hab von all diesen Dingen gehört, dass es im Methodenkoffer der Möglichkeiten diese Punkte gibt.
00:28:56: Und ganz am Anfang hab ich mich furchtbar schlecht damit gefühlt, dass ich die sein könnte, die dann halt möglicherweise auch zu einem sozialen Abstieg, weil das wär's, wenn eine Kündigung ausgesprochen wird, oder eben dann halt zu diesem sozialen Abstieg halt dann die, die das zu verursachen hat.
00:29:15: So hat sich das am Anfang für mich angefühlt.
00:29:17: Es hat ein paar Tage gedauert, mich zu schütteln.
00:29:18: Und noch mal für mich dieses Wann ist es schuld, Wann ist es Verantwortung?
00:29:24: Und auch klatsam ist es trotzdem der richtige Schritt.
00:29:27: Aber das ist schon richtig, das ist ganz stark bei mir auch in den Tagen so geblieben.
00:29:34: Das ist dann auch schwierig, mit anderen drüber zu sprechen, weil für alle anderen ist die Situation so glasklar.
00:29:39: So ja natürlich bitterbelangt.
00:29:41: Ja, aber wenn der jetzt so richtig dollbelangt wird.
00:29:44: Und die Staatsanwaltschaft würde den jetzt so richtig vor Gericht stellen.
00:29:47: Und möglicherweise würde der sogar verurteilt werden.
00:29:50: Und dann landet der möglicherweise bei einer Haftstrafe.
00:29:55: Und das ist dann mein Ding, ich hab das verursacht.
00:30:01: Das konnte ich mir gar nicht vorstellen.
00:30:03: Also, es hat sehr schwer in mir so gearbeitet.
00:30:08: Ähm, und ... Deswegen ist es durchaus auch eine Erleichterung, dass jetzt inzwischen, nach etlichen Wochen und Monaten, die Staatsanwaltschaft diese Ermittlung eingestellt hat und mir das auch kommuniziert hat.
00:30:23: Nichtsdestotrotz denke ich jetzt halt schon.
00:30:28: Ich wüsste gerne tatsächlich auch, perspektivisch vom Bistum als Arbeitgeber dann oder Dienstherr, wie sie jetzt mit dieser Personalie umgehen.
00:30:38: Also es würde mich tatsächlich ... interessieren im Wasser und des Wortes.
00:30:42: Und ganz kognitiv und auch distanziert, auch als Bürgerin dieses Staates.
00:30:47: Ja, genau.
00:30:48: Also wie viel Geld kriegt er denn dann jetzt tatsächlich dann noch?
00:30:51: Also kriegt er seine Rente, seine Pension?
00:30:54: Oder sorgt das eben doch auch dafür, dass es auch für ihn dann jetzt spielbare Konsequenzen hat?
00:30:59: Weil das muss man ja klaren, das hatte es dreißig Jahre lang nicht.
00:31:03: Er hat ganz normal weiter gearbeitet und ganz normal weiter sein Geld bekommen, ist jetzt halt suspendiert in diesem Moment.
00:31:14: Und diese Suspendierung ist dabei eben auch, wie der Name schon sagt, ein vorübergehender Zustand und der muss final geklärt werden.
00:31:21: Und er hat ja bislang keine Einbußen gehabt.
00:31:25: Also auch jetzt nicht.
00:31:26: Also, ich weiß, dass er nicht mehr seine kirchlichen ... Tätigkeiten ausüben darf.
00:31:33: Also das hat man ihm dann jetzt eben schon auch untersagt aufgrund der Suspendierung.
00:31:38: Ich fände es irritierend, wenn am Ende des Verfahrens der Arbeitgeber entscheidet, dass er das jetzt wieder darf.
00:31:46: So, das, glaube ich, wäre so das Mindeste, was ich erwarte, dass er, ich sag mal, Zweifel in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wird und aber auch keine ketischen Aufgaben und Ämter mehr übernimmt.
00:31:58: Das, glaube ich, wäre für mich das Mindeste, was passieren muss.
00:32:01: Okay.
00:32:02: Ich gehe davon aus, aus der Erfahrung mit dem Thema, dass du nicht die einzige Betroffene bist.
00:32:13: Wäre es für dich eine Hilfe, Kontakt zu anderen Betroffenen zu haben?
00:32:19: Das Thema ist sehr zeitig von der Interventionsbeauftragten des Bistums an mich herangetragen worden.
00:32:31: Dazu muss man sagen, dass ich, äh, dreißig Jahre lang davon ausgegangen bin, dass es keine anderen Opfer gibt.
00:32:36: Ähm, weil das für mich unvorstellbar war.
00:32:40: Und ich glaube, das hat auch mit ganz viel Selbstschutz zu tun gehabt.
00:32:43: Ähm, und als ich in diesem, ähm, in diesem Prozess mit den Wüstungen gestartet bin, weiß ich, hab ich, hab ich in meinem ganz engen Umfeld gesagt, sollte sich irgendwann herausstellen, dass es weitere Betroffene gibt, dann, dann, dann wird meine Welt zusammenbrechen.
00:33:00: Und in dem Moment, wo dann eben die Interventionsbeauftragte des Bistums mir von mindestens einer weiteren betroffenen Person berichtet hat, war es auch so.
00:33:09: Da sitzt man dann da erst mal und denkt, oh mein Gott, was hab ich auch damit angerichtet, dass ich dreißig Jahre nichts gesagt habe.
00:33:17: Und hätte ich was verhindern können, hätte ich helfen können, so.
00:33:21: Und in dem Zuge ... war, wurde auch seitens des Bistums signalisiert.
00:33:27: Wenn das eben mein Wunsch wäre, könnte ich diese andere Person treffen.
00:33:31: Oder es wurde zumindest gesagt, man könnte das in die Wege leiten.
00:33:34: Und mein erster Impuls war, der gesagt, nein, möchte ich nicht.
00:33:39: Weil ich mir da nicht vorstellen konnte, dass mir das irgendwie hilft.
00:33:43: Und wenn ich aber eins in diesem Prozess der Aufarbeitung mit dem Bistum auch jetzt so für mich gelernt hab, ist wirklich ... Meinungen können sich ändern.
00:33:53: Und auch Gefühle können sich ändern, weil dann doch viel verarbeitet wird.
00:33:57: Deswegen hab ich mich einige Monate später doch entschieden und hab gesagt, ich kann mir das vorstellen.
00:34:02: Ich kann mir das vorstellen, diese andere Frau zu treffen.
00:34:06: Aber auch nur dann, wenn sie das auch möchte.
00:34:09: Mir war es auch ganz wichtig, dass, wenn wir uns treffen, dass es eine Moderation gibt dazu.
00:34:15: Weil in dem Moment tauchen, also sind ja zwei ... Menschen, die sich vorhin noch nie im Leben begegnet sind.
00:34:21: Und die ja auch nie sich im Leben begegnet werden.
00:34:24: Die nur eine Gemeinsamkeit haben.
00:34:25: Die
00:34:25: nur eine Gemeinsamkeit haben, werden in einen Raum gesetzt.
00:34:30: Und wie fängt man da an?
00:34:33: Also, wie ... Genau.
00:34:34: Und bei so was Simples ja, geben wir uns die Hand.
00:34:37: Oder füllen wir uns schon so verbunden, dass man sich direkt mal in den Arm nimmt.
00:34:43: Ein guter Freund von mir sagte, Ja, aber ihr werdet doch beide direkt in Tränen ausbrechen.
00:34:48: Dann hab ich gesagt, ich werd vieles, aber das ganz sicher nicht.
00:34:51: Und dann stellt ich mir die Frage, aber was ist, wenn die andere Person ... Es sind wahnsinnig viele Fragezeichen im Raum.
00:34:57: Deswegen war es mir wichtig, dass eine Moderation dabei ist, auch eine geschulte Moderation.
00:35:02: Und so haben wir dieses Treffen dann auch gestaltet.
00:35:05: Wir sind aufeinander getroffen und haben uns ein Stück weit ausgetauscht, ohne ins Detail zu gehen.
00:35:12: Ich glaub, das ist auch wichtig.
00:35:15: Und auch ohne die Erwartungen, als hochzuschrauben.
00:35:18: Weil wie gesagt, es ist ein temporäres Aufeinandertreffen.
00:35:23: Zwar mit einem verbindenden Element in der Vergangenheit.
00:35:28: Aber ich hab eben auch erkannt, dass wir sehr unterschiedlich in unserer Persönlichkeit damit umgehen.
00:35:33: Und es uns auch sehr unterschiedlich heute noch betroffen macht.
00:35:38: Und dann ist natürlich auch die Frage, tun wir uns gut?
00:35:41: Absolut.
00:35:42: Und dieses ... kann es sein, dass wir uns nicht gut tun.
00:35:47: Aber glauben wir, dass wir jetzt trotzdem irgendwie aneinander festhalten müssen über die nächsten Jahre oder so?
00:35:54: Das hab ich dann für mich entschieden, dass ich ... nein.
00:35:56: Nee, das ... das möchte ich nicht.
00:36:01: Ich schätze den Mut und die Kraft dieser Frau ... unglaublich.
00:36:05: Ganz toll.
00:36:07: Aber wir sind eben sehr unterschiedlich im Umgang mit dem, was es auch ... wie ist jetzt unseren Alltag bestimmt?
00:36:13: Und deswegen hab ich gesagt, mir tut es, glaub ich, nicht
00:36:18: gut,
00:36:19: da möglicherweise auch immer wieder von der Vergangenheit eingeholt werden.
00:36:23: Nicht, dass ich das verdränge, meine Vergangenheit, aber ich hab da, glaub ich, für mich im Alltag immer mitgefunden.
00:36:30: Ich kann mir aber vorstellen, oder anders, wenn ich erfahre, dass es noch mehr Betroffene gibt, was ja nicht ausgeschlossen ist.
00:36:40: dann wird das schon was mit mir machen.
00:36:42: Aber ich glaube nicht, dass ich dann sage, ich möchte die jetzt aber alle treffen.
00:36:46: Wie
00:36:46: so ein Klassen-Treffen.
00:36:47: Aber
00:36:47: siehst du es mal ein bisschen.
00:36:49: Aber genau.
00:36:50: Ich glaube, das hätte für mich, das wäre ein ähnliches Bild, was ich auch kreieren würde.
00:36:55: Das stelle ich mir auch tatsächlich ... Ich stelle mir wirklich genau diese Klassen-Treffen-Situation vor.
00:37:00: Und dann ist ein wahnsinnig erwartungsgeschwängerter Raum dann da.
00:37:04: Und was ... Also da kannst du ja nur ... Also das, glaub ich, wird auch zu Verletzungen führen, auch bei anderen.
00:37:11: Auch mein Umgang damit.
00:37:13: Das hab ich mich vorher auch gefragt, mein Umgang damit.
00:37:17: Über die Therapie Worte gefunden zu haben, jetzt auch im Leben dazustehen, wo ich stehe, da auch eben auch gut und offen drüber reden zu können, das hat ja eine Wirkung.
00:37:27: Und wenn jemand das nicht kann, dann ist das vielleicht auch wuchtig, wie das bei jemand anders ankommt.
00:37:34: Und wenn jemand schwer daran trägt, dann fällt mir das vielleicht auch schwer zu sagen, ja, oh, wow, krass.
00:37:39: Also, auch dreißig Jahre später fließen da noch Trennen.
00:37:44: Oder jemand tut sich wahnsinnig schwer, darüber zu sprechen, oder hat vielleicht auch noch nicht mal mit ganz engen, angehörigen Partnern drüber gesprochen, dann, glaub ich, ist es schwierig, da auf einen oder auch zu kommen.
00:37:59: Also so ein Treffen lädt ja unglaublich dazu ein, sich mit anderen permanent zu vergleichen.
00:38:07: Und
00:38:08: das ist immer ein Problem in meinen
00:38:10: Augen.
00:38:11: zu gucken, wie gut, wie schlecht geht's dem anderen, wie viel Geld, wie viel hat er nicht bekommen, hat er bekommen und so weiter und so weiter.
00:38:17: Also du hast es ja gerade sehr gut beschrieben, also sagst du, wenn ich wüsste, da wäre noch jemand, würde für mich eine Welt zusammenbrechen.
00:38:24: Und diese Illusionen haben ja viele wahrscheinlich, die in irgendeiner Weise sich Gedanken dazu machen, was wäre, wenn.
00:38:33: Ich würde gerne nochmal auf ein anderes Thema zurückzukommen, weil ich das gar nicht so ganz genau weiß.
00:38:39: Und zwar auf das Thema Institutionelle Gewalt.
00:38:43: und es gibt neuerdings diesen Begriff Behördengewalt.
00:38:49: Hast du Erfahrung mit Antragstellungen außerhalb dieses Antrages auf Anerkennung des Leids?
00:38:56: Hast du institutionelle Gewalterfahrung gemacht im Kontext dieser Fragestellung?
00:39:06: Ich fand den Begriff Behördengewalt erstmal für mich also neu.
00:39:10: Und muss mich da, glaub ich, auch noch mal so ein bisschen rein denken.
00:39:17: Im Zuge jetzt des Aufklärungsprozesses mit dem Bistum gemeinsam wird man ja schon auch als betroffene Person durch verschiedene Instanzen geschickt, sagen wir so.
00:39:34: Und eine Instanz ist eben dann die Polizei beziehungsweise die Staatsanwaltschaft.
00:39:41: Und da kann ich schon sehr deutlich sagen, mir war das klar, ich hab da auch eingewilligt, dass die Anzeige von Bistum an die Staatsanwaltschaft geht.
00:39:54: Und dann passiert etwas, was ich gleichwohl irritieren finde, weil der Staatsanwaltschaft und auch der Polizei liegt ja dann auch vor, um was es eigentlich geht.
00:40:02: Also sie sicherlich jetzt nicht irgendwie in einem dreißigseitigen Dokument, aber schon auch in der Formulierung der Anzeige.
00:40:07: Und das, was ich dann bekommen habe, eines Tages, als ich mein Briefkasten öffnete, war wirklich eine Vorladung.
00:40:11: Das steht auch ganz dick oben auf diesem Brief drauf, Vorladung.
00:40:16: Und in dem Moment dachte ich, oh, hab ich falsch geparkt, hab ich, also was hab ich getan?
00:40:21: Und dann auf einmal dachte ich, ach nee, du hast nicht falsch geparkt, sondern das ist halt die Anzeige, die das Bistum gestellt hat.
00:40:27: Und du wirst jetzt zur Vernehmung gebeten.
00:40:31: Und diese Schreiben ist ein standardisiertes Schreiben gewesen, in meinem Fall.
00:40:38: Und diese Schreiben ist vieles, aber ist es nicht sehr empathisch.
00:40:43: Und wenn ich darüber nachdenke, wie viel Opferschutz es auch in der Bundesrepublik immer mal, oder man davon auch immer mal wieder hört, finde ich, ist diese Schreiben zu wenig.
00:40:55: Diese Schreiben ist nicht ... Nicht gut, nicht geeignet, um Menschen wirklich da abzuholen, in so einem Prozess auch dann eben auch sich gut zu fühlen, wenn ich weiß, ich muss am Tag X dahin und muss da eine Aussage machen.
00:41:11: Ich weiß nicht, was mich erwartet, ich weiß nicht, wen ich mitnehmen darf, ich weiß nicht, in welche Setting ich mich reinbegebe.
00:41:17: Und das, finde ich, hat also deutliches Optimierungspotenzial, sag ich mal, ganz diplomatisch.
00:41:22: Und noch schlimmer ist dann tatsächlich die Begegnung bei der Polizei an sich gewesen.
00:41:25: Also ich wurde ins Polizeipräsidium eingestellt.
00:41:29: Und das liegt momentan in einer Immobilie oder auf einem Gelände, was mit Stacheldraht umgeben ist.
00:41:37: Das heißt, man kommt an ein großes Tor.
00:41:41: Über alles Stacheldraht.
00:41:42: Man hat draußen eine Klingel.
00:41:43: Und dann kommt über die Gegensprechanlage, ähm, ja, bitte.
00:41:48: Und dann bringt man relativ stottern, erst mal so, ja, ich soll nämlich hier melden.
00:41:52: Und bei wem?
00:41:54: Ja, bei Frau Sohnsohn.
00:41:55: Ja, warten Sie mal, vorm Zaun, sie werden abgeholt.
00:41:59: Und das war der Moment.
00:42:01: Und ich möchte noch mal betonen, es ist dreißig Jahre her, ich glaub, hab meinen Umgang damit gefunden.
00:42:06: Ich steh mitten im Leben.
00:42:07: Aber das war der Moment, wo ich ... Wo ich umdrehen wollte.
00:42:11: Wo ich umdrehen wollte und wäre meine beste Freundin nicht dabei gewesen, wäre ich einfach Standepädes, umgedreht und gesagt, hat sich erledigt.
00:42:19: Ist nicht so wichtig.
00:42:20: Fühlt sich an wie eine Umkehr.
00:42:21: Genau, so.
00:42:23: Und das ist dann, das ist etwas, was ich nicht nur unglücklich finde, sondern was ich wirklich auch falsch finde.
00:42:31: Wir haben dann mit der Polizistin, die diese Vernehmung darin geleitet hat, Auch am Ende darüber gesprochen.
00:42:40: Sie hat auch noch mal gesagt, dass auch sie das Setting sehr unglücklich findet.
00:42:43: Sie versuchen, das Beste daraus zu machen.
00:42:46: Und da muss ich auch sehr deutlich sagen, die Kommissarin hat da einen guten Job gemacht.
00:42:51: Ich kann aber auch sagen, ich war nicht vorbereitet.
00:42:54: Also ich dachte ja, okay, gut, dann werden ein paar Fragen gestellt.
00:42:57: Aber nachher musste ich für mich feststellen, emotional war ich nicht auf das vorbereitet, was dort gefragt wurde.
00:43:03: Okay.
00:43:04: Und das ist dann schon schwierig, weil, genau, man verlässt irgendwann dieses Gebäude.
00:43:11: Und dann geht man nach Hause.
00:43:12: Und da ist ja jetzt nicht sofort jemand, der ... oder die einem da zur Seite steht oder auch therapeutisch begleitet.
00:43:19: Und da ist man dann erst mal sehr alleine mit seinen Eindrücken.
00:43:23: Und das ... das braucht eine Weile, um das man das auch so verarbeitet.
00:43:29: Genau.
00:43:30: Und es gab auch ein Gespräch ... in den Räumlichkeiten des Bistums.
00:43:35: Und da fand ich es durchaus auch mehr als irritierend, dass ich nicht in ein ... Es war ein geplantes Gespräch, die wussten, um was das geht, die wussten auch, zu welcher Uhrzeit ich komme.
00:43:46: Und da fand ich das doch mehr als irritierend, nicht in einen neutralen Raum zum Wartengesetz zu werden, sondern tatsächlich dieses Gespräch hat in einem Raum gefunden, wo an der Wand, also direkt mal das Bild des Papstes, neben dem Bild des Bischofshaltingen, da drüber ein großes Kreuz.
00:44:03: Und dann sitzt man da, schaut die ganze Zeit, also ich schaute die ganze Zeit wirklich auf dieses Kreuz und diese beiden Männer im Bilderrahmen und dachte, echt jetzt?
00:44:15: Also hier soll ich jetzt also erzählen, was mir passiert ist.
00:44:20: Boah, schwierig.
00:44:23: Und da wünsche ich mir schon mehr Sensibilisierung von allen Mitteiligten, auch mehr Ehrlichkeit.
00:44:36: Ja, ich glaub, das ist so ein bisschen so das, was ich jetzt für mich unter behördlicher Gewalt oder auch behördlicher Rahmen halt dann so packen würde.
00:44:43: Ja.
00:44:45: Ich hatte noch eine Frage dazu, die ein bisschen in jetzt mal unsere Richtung UAK geht.
00:44:51: Gibt es Punkte, wo du sagst, deshalb ist es wichtig, dass es so etwas wie unabhängige Aufarbeitung gibt?
00:45:00: Die eine Frage, die andere Frage ist, gibt es etwas, wo du sagen würdest ... Darauf müsst ihr unbedingt achten.
00:45:09: Also die Unabhängigkeit ist superwichtig.
00:45:14: Das hat damit zu tun, dass, wenn sich Menschen entscheiden, über ihre Geschichte zu berichten und auch zu erzählen, irgendwann landet man ja beim Bistum.
00:45:24: Ob das jetzt der erste Gang ist oder der fünfte oder der achtenzwanzigste.
00:45:27: Aber irgendwann ist es ja so, dass man sich natürlich auch beim Bistum meldet oder auch mit Unterstützung dort.
00:45:32: sich meldet.
00:45:34: Und es ist eben das Bistum.
00:45:35: Es ist der Arbeitgeber, der Dienstherr, es ist genau das Konstrukt, aus dem man ja selber kommt und in dem Setting aber auch genau diese Taten passieren.
00:45:47: Und deswegen ist es immer dieses Geschmäckle.
00:45:50: dass die Institution ja genau die gleiche ist.
00:45:53: So, dann hat das vielleicht einen freundlicheren Namen oder ein freundlicheres Gesicht.
00:45:56: Oder vielleicht, wenn man Glück hat, als Frau hat man auch eine weibliche Ansprechperson oder Bezugspersonen beim Bistum.
00:46:04: Aber es bleibt ja gleiche Kontext.
00:46:06: Und man hat das latente Gefühl, die sind ja auch alle vom gleichen Arbeitgeber abhängig.
00:46:13: Also, wie ehrlich kann denn da jetzt eigentlich ... Wie viel Ehrlichkeit darf da jetzt eigentlich im Raum sein?
00:46:19: Ähm ... und ... ich glaube, dass die Signale, die hier in Bistum Münster gegeben wurden, durch den bisherigen Bischof, die sind angekommen.
00:46:30: Ich glaub's ... Also, ich nehm ihm ab, dass er sagt, das ist ein wichtiges Thema, und dass er sich auch auf Klärung wünscht.
00:46:41: Ich hab aber Zweifel daran, dass sich das so komplett in dieser Institution Kirche wirklich von ganz Rupen bis ganz unten, ähm, so durchlebt.
00:46:51: Da hab ich so meine Zweifel.
00:46:54: Ähm ... Und deswegen ist eine unabhängige Instanz, wo ich weiß, genau, die stehen auf einem ganz anderen Lohnzettel.
00:47:03: Ähm, die können auch noch mal, weil sie gar nicht in diesem hierreichischen Geflechten halt drin sind, auch noch mal ganz anders bohren.
00:47:11: Ähm, die können auch viel freier sprechen und auch anders auftreten halt.
00:47:17: Und mir hat's zum Beispiel total geholfen, im Nachgang zu wissen, Ach cool, die können mich auch begleiten.
00:47:24: Also ihr könnt mich begleiten und ich dürfte auch sagen, ja, also könnt ihr dann mitgehen zum Polizeipräsidium, könnt ihr dann beim nächsten Mal, also können wir dann gemeinsam mal zum Bistum gehen.
00:47:35: Das ist total cool, weil man tatsächlich dann einfach auch eine ehrliche Begleitung hat, ne?
00:47:43: eine faire und eine offene und eben tatsächlich eine unabhängige.
00:47:46: Und so erleb ich auch die Arbeit jetzt auch und die Wochen, die wir jetzt gemeinsam dann auch hatten, auch als kämpferisch.
00:47:56: Und das ist etwas, was ich total mag und auch total schätze, weil manchmal hat man selber gar nicht die Kraft und auch nicht immer die emotionale Stärke.
00:48:10: diesen Kampf zu führen.
00:48:11: Und es ist ja Arbeit, es ist Kampf.
00:48:13: Dann muss man Anträge schreiben, dann muss man wieder seine Geschichte erzählen, dann muss man sie sogar aufschreiben.
00:48:18: Und es kostet viel Kraft und viel Tränen.
00:48:21: Und da zu wissen, dass man diesen Weg eben gemeinsam gehen kann und da Unterstützung hat, ist halt super wichtig.
00:48:30: Und jetzt hab ich den zweiten Teil deiner Frage schon vergessen.
00:48:33: Gibt's irgendwas, wo du sagen willst, das würdest du uns gerne mit auf den Weg gehen.
00:48:39: Ich als Typ Mensch, ähm, und da bin ich ja hier sehr schnell auch auf den Punkt gekommen, ähm, für mich ist es wichtig, dass das, was mir passiert ist, ja, ist Teil meines Lebens.
00:48:51: Und ich hab dann ungern mitgefunden.
00:48:52: Und es soll meinen Alltag nicht bestimmen.
00:48:55: Und auch mein Leben nicht bestimmen.
00:48:56: Und deswegen hat's mir hier super geholfen, dass, ähm ... dass ihr das akzeptiert.
00:49:03: Und nicht nur akzeptiert, sondern auch sagt, ja, genau, Dinge im Leben müssen auch mal zu einem Abschluss gebracht werden.
00:49:09: Und das ist für mich super, weil es meine Lebensrealität so trifft und so abholt.
00:49:18: Ich bin mir total sicher, dass es Menschen gibt, die das anders fühlen.
00:49:23: und auch anders für sich leben.
00:49:25: Aber so bin ich nicht.
00:49:26: Und deswegen war das für mich ein ganz großer Bonus und einfach auch so akzeptiert zu werden.
00:49:33: Und auch Verbündete zu finden.
00:49:34: Das war total klasse.
00:49:38: Und von daher, glaub ich, würde ich mir wünschen, also bleibt weiterhin so kämpferisch, setzt weiterhin die Nadelstiche, da wo es ... wo es zielführend auch ist, verschwendet nicht eure Krabbt.
00:49:51: Also, dafür brauchen wir euch einfach zu sehen.
00:49:55: Aber ich glaube, es ist eben auch wichtig, auch Menschen, die von ... die eben als ... die Opfer geworden sind, denen aber auch noch mal die Tür zu öffnen zu sagen, ja, vielleicht ist es aber dann jetzt doch auch immer mal gut, zu einem Ende zu kommen.
00:50:11: Das kann auch helfen, das kann auch befreien.
00:50:14: Und das find ich wichtig.
00:50:16: Und was glaub ich super ist, ist die Kombination hier von den handelnden Menschen.
00:50:21: Weil es ist sehr unterschiedlich, man hat ja die Möglichkeit, sich an den einen oder die anderen zu wenden.
00:50:28: Und das ist super.
00:50:30: Okay, ja.
00:50:31: Ja, danke.
00:50:35: Gerne.
00:50:39: www.uak-münster.de.
00:50:43: Alle Hintergründe zum Podcast findet ihr auf unserer Website oder auf Instagram.
00:50:48: Ihr erreicht uns unter www.uak-münster.de.
00:50:53: Wir freuen uns, wenn ihr unseren Podcast bewertet und abonniert und mit Freunden und eurer Familie teilt.
00:51:00: An dieser Stelle ein Transparenzhinweis.
00:51:02: Wir haben Betroffenen die Möglichkeit eröffnet, anonymisiert an unserem Podcast teilzunehmen.
00:51:09: Eine mögliche Form der Anonymisierung ist, dass wir den Vornamen verändern.
00:51:14: Eine weitere Option, dass die Stimme verzerrt, wiedergegeben wird.
00:51:19: Oder wir die Stimme durch einen professionellen Sprecher oder Sprecherin ersetzen.
Neuer Kommentar